Wirtschaftsgeschichte der Witznitzer Kohlenwerke

Errichtung der Witznitzer Kohlenwerke

In den Jahren 1906 und 1907 erwiesen sich auf der Ortsflur Witznitz entdeckte Braunkohlenflöze als abbauwürdig. Die Förderung sollte durch die sich bereits in Betrieb befindlichen Werke erfolgen; auf dem Areal befand sich das Abbaufeld der Braunkohlen- und Ziegelwerke Borna.

1908 und 1910 kaufte die Deutsch-Österreichische Bergwerksgesellschaft zu Dresden Gruben- und Kohlenfelder bei Witznitz und erwarb die Abbaurechte der in den Vorjahren gefundenen Vorkommen. Hierbei machte sich der Konzern auch die Insolvenzen ansässiger Unternehmen zu nutze.

1911 erfolgte unter Leitung des diplomierten Bergingenieurs Karl Heinrich Hurthe der Aufbau der Verwaltung eines zukünftigen Werkes.

Aufschluss des Tagebaus

Am 20. September 1911 konnte im alten Grubenfeld der Braunkohlen- und Ziegelwerke Borna der Tagebau der Witznitzer Kohlenwerke aufgeschlossen werden.

Für den Abraumbetrieb kaufte man einen Trockenbagger der Maschinenfabrik Buckau mit einer Baggertiefe von 16 m und einer Schaufelleistung von bis zu 250 cbm „schwerem Boden“ in einer Stunde.

Eine Lokomobile der Firma Heinrich Lanz versorgte zwei Generatoren mit mechanischer Kraft. Ein selbsttätiger Wasserreiniger des Kölner Unternehmens Hans Reisert bereitete das Wasser für den Kessel der Lokomobile auf, welches man am Tagebau entnahm. Die beiden Generatoren belieferten den Tagebau mit Energie. Einerseits stand ein Gleich­strom­generator zur Erzeugung der elektrischen Kraft für den Bagger bereit, und andererseits ein Wechselstromgenerator für das Licht und die Entwässerungspumpen der Grube.

Die mechanische Kraft des Schwungrades der Lokomobile wurde über Riemen auf die Generatoren übertragen, die sie in elektrischen Strom umwandelten. Die gesamte Anlage wurde fest in einem eigens errichteten Gebäude installiert.

Ein Jahr später wurde für die Abförderung der Rohkohle vom Tagebau zur Brikettfabrik eine 2 km lange Seilbahn der Firma Hasenclever aus Düsseldorf errichtet; 1916 wurde die Anlage um eine Nebenkettenbahn erweitert.

Bau des Werkes

Im Frühjahr 1912 wurde mit der Errichtung des Kraftwerks und der Brikettfabrik Witznitz begonnen. An den Arbeiten waren über 1000 Menschen beteiligt. Sie errichteten ein klar strukturiertes Werk, welches durch die deutliche bauliche Trennung der einzelnen Abteilungen (Nassdienst, Trockendienst und Pressenhaus) gekennzeichnet war.

Der Antransport des Baumaterials und der Maschinen erfolgte, außer auf dem Landweg, über eine provisorische Schmalspurbahn vom Bahnhof Borna auf das Betriebsgelände.

Weitere Informationen zur Deutsch-Österreichischen Bergwerksgesellschaft:

Das am 25. April 1895 gegründete Unternehmen blieb in seiner ursprünglichen Form bis zum 14. Juli 1919 bestehen. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs spaltete sich der deutsche Teil von den böhmisch-österreichischen Werken ab und bildete die Vereinigte Kohlenwerke AG; wobei der Dresdner Hauptsitz erhalten blieb.

Der Konzern handelte mit Bergwerken, Bergwerksgrundstücken und sonstigen Montanobjekten. Zur Gewinnung und Verwertung von Kohlenprodukten, errichtete die Deutsch-Österreichische Bergwerksgesellschaft eigene Anlagen.