AG Sächsische Werke in Böhlen

Havarien und Störfälle bei der ASW Böhlen

Die A.-G. Sächsische Werke war im Böhlener Werk entschieden vom Unglück verfolgt.

Der schwärzeste Tag in der Geschichte des Werke war der 2. April 1925, als der über 100 Meter hohe Schornstein des Kesselhauses in sich zusammenbrach. Elf bei dem Bau des noch nicht vollendeten Schornsteins beschäftigte Leute wurden unter den Trümmern begraben und büßten ihr Leben ein, zwei weitere wurden verletzt.

Am 20. Oktober 1926 gab es in der Entstaubungsanlage der Brikettfabrik (des Nasshauses) eine größere Explosion, die zum Glück nur erheblichen Gebäudeschäden verursachte, während wenige Wochen später – am 12. Dezember 1926 – ein Generator der neu aufgestellten Dampfturbine von 26000 Kilowatt beim Probelauf platzte. Ein Maschinist wurde getötet, drei weitere Maschinisten erlitten Verletzungen. Auch bei diesem Unglück entstand erheblicher Gebäudeschäden.

Die Abraummassen des Tagebauaufschlusses wurden auf eine Spülkippe auf der Flur Trachenau, südlich des entstehenden Böhlener Werkes gebracht. Am 24.6.1927 brach infolge Durchweichung des Kippenfußes der Damm der nördlichen Spülkippe nach Westen. Eine gewaltigen Flutwelle, begleitet von riesigen Schlammassen, überschwemmten die Dörfer Lippendorf und Spahndorf vollständig, so daß sich die Einwohner in die oberen Stockwerke retten mussten, von wo aus sie dann geborgen werden konnten. Ein Kind, das von der Strömung mit fortgerissen wurde ist, dabei umgekommen.
Ungeheuren Wassermassen ergossen sich unter weithin vernehmbarem Getöse unter den Brücken hindurch sich in den Tagebau. Gleise wurden unterspült, schwere Abraumzüge ineinander gedrückt und Masten mit sich gerissen.

Beim Absetzer 15 brach am 10. Mai 1928 der Gegengewichtsausleger ab.

Am 12. Mai 1937 kam es zum Einsturz der Förderbrücke während einer Gewitterböe. Auf der Brücke normal mit 8 Mann Besatzung gab es 3 Leicht-, ein Schwerverletzten. In Folge des Einsturzes musste die Technologie der Grube umgestellt werden und es kam auch zum Drosslung der Produktion.

Neben zahlreichen kleineren Betriebsunfällen soll in dieser Zusammenstellung auch auf ein schweres Automobilunglück hingewiesen werden, das am 18. April 1926 durch die schlechten Straßenverhältnisse auf dem Gelände der Sächsischen Werke herbeigeführt wurde. Der Leipziger Sportsmann Henning stürzte mit seinem Kraftwagen in den Tagebau und kam bei dem Unglücksfall ums Leben, während seine Frau schwere innere Verletzungen erlitt. Dies ist insofern bemerkenswert da es sich hierbei um eine Privatperson und keinen Werksangehörigen handelt.

Dies war, wenn auch eine unvollständige, Chronik der Unfälle der ASW in Böhlen bis zum Beginn des Krieges, in dessen Verlauf durch Luftangriffe weitaus größere Schäden an Gebäuden und Anlagen entstanden und auch weitaus mehr Menschen ihre Gesundheit oder ihr Leben verloren.